Elbe Wochenblatt

Erwachsene Klangkultur abseits des Mainstream

Die Fabrik in der Barnerstraße war einer der Gründe (vielleicht sogar der Grund!), warum sich Rüdiger Herzog im Stadtteil sofort zu Hause fühlte.

Rüdiger Herzog im Interview mit Christopher von Savigny vom Elbe Wochenblatt

„Ich bin ein bisschen old-fashioned”, gibt sich der heutige Chef der Plattenfirma Herzog Records als etwas altmodisch zu erkennen. Die Silhouette des Gebäudes mit dem alten Lastkran hatte nachhaltigen Eindruck hinterlassen – und die Inneneinrichtung nicht minder. „Ich dachte nur: Wow, so viel Holz! Wo gibt so etwas heute noch?“

Rüdiger Herzog
Foto: cvs

16 Jahre ist es nun her, dass Herzog – mit dem Auto aus Süddeutschland kommend – den Elbtunnel durchquerte und kurz danach im quirligen Ottensen landete. Und gleich dort blieb: Sein Plattenlabel – untergebracht in einem ehemaligen Feuerwehrhaus am Spritzenplatz – feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Aus Anlass des Geburtstags hat der gebürtige Freiburger ein Musikfestival aus der Taufe gehoben – das „Viva Altona“. Termin: Mitte März. Veranstaltungsort ist – wenig überraschend – die Fabrik. Jazzige und soulige Klänge sollen das altehrwürdige Holzgebälk des 1971 gegründeten Kulturzentrums in Schwingungen versetzen. Den Festivalnamen hat Herzog bewusst gewählt, weil er so lebendig klingt. „Die Altonaer sollen mal wieder richtig feiern“, sagt er. Schon jetzt stehe fest, dass das Festival auch im nächsten und übernächsten Jahr über die Bühne gehe. „Es soll zur Dauereinrichtung werden“, sagt der Labelchef.

Erwachsene Klangkultur abseits des Mainstream

Als „old-fashioned“ kann man guten Gewissens auch die Stilrichtung von Herzog Records bezeichnen, die hauptsächlich Jazz- und Soul-Musiker sowie Singer/Songwriter unter Vertrag hat. Herzog nennt es „erwachsene Klangkultur“, weil es eben kein Mainstream sei, sondern Musik, die man entdecken müsse. Auch die CD-Käufer und Konzertgänger seien eher älteren Semesters – was den Firmeninhaber nicht weiter verwundert. „Es ist eine schwierige Branche“, sagt er. Die CD-Stückzahlen gingen langsam zurück, dafür bliebe der Download-Absatz konstant. Für den studierten Musikwissenschaftler und ehemaligen Fernsehredakteur ist es das erste größere Festival, das er auf die Beine stellt. Im Vorfeld musste er viel Geld in die Werbung stecken. Förderung vom Bezirk bekommt er dafür (noch) nicht. „Ich bin aber ganz optimistisch, dass wir mit einer schwarzen Null abschließen werden“, so Herzog.

Quelle: http://www.elbe-wochenblatt.de